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mädchenwohngruppe salz

Art des Leistungsangebotes

Rechtliche Grundlage für die Maßnahme in der Wohngruppe bilden die § 27 „Hilfe zur Erziehung“, § 34 „Heimerziehung und sonstige betreute Wohnform“, § 35a „Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche“, § 41 „Hilfe für junge Volljährige, Nachbetreuung“

Einleitung

Jedes Kind bzw. jeder Jugendliche ist für uns eine Persönlichkeit mit eigenem Charakter und eigener Geschichte. Wir stärken die Persönlichkeitsentwicklung und geben Hilfestellung und Impulse zum guten und gemeinschaftlichen Miteinander. Durch die besondere Art der Beziehungen erlernen die Jugendlichen soziale Kompetenzen, die sie für zwischenmenschliche Beziehungen in der Zukunft stark machen: soziale Beziehungen aufbauen, Schwächen anerkennen und ertragen, sowie auf andere Menschen Rücksicht nehmen.Das pädagogisch Handeln vollzieht sich oft in Alltagssituationen.

„Erziehung“ in der heilpädagogischen therapeutischen Mädchenwohngruppe Salz wird vom individuellen, persönlichen Bezug der pädagogischen Fachkräfte zum Jugendlichen und einer intensiven Beziehungsgestaltung zwischen den

Mitarbeiter/innen und den Jugendlichen getragen. Wir arbeiten mit einem dreiteiligen Kommunikationssystem:

Pädagogische Leistungsbeschreibung / Methodische Umsetzung

Wir arbeiten mit einem dreiteiligen Kommunikationssystem: SET

S – Support (Unterstützung)
E – Empathy (Mitgefühl)
T – Truth (Wahrheit)

Die S – Stufe dieses Systems, die „Unterstützung“, ist eine persönliche Stellungnahme, die Sorge ausdrückt. Die Betonung liegt auf den Gefühlen des Erziehers und ist im wesentlichen das persönliche Bekenntnis, helfen zu wollen. Mit dem E – Teil, dem „Mitgefühl“, versuchen wir, die Gefühle anzuerkennen, jedoch Mitgefühl nicht mit Mitleid zu verwechseln. Die T – Aussage repräsentiert die Wahrheit oder Realität.

2. Zielgruppe

Die therapeutisch Mädchenwohngruppe eignet sich für fünf (plus zweit Innenbetreute Plätze) Kinder- und Jugendliche ab 12 Jahren, die durch ihre psychische Grunderkrankung in ihrer Lebensführung eingeschränkt sind und zum Teil auch gesellschaftlichen Anforderungen (z.B. Schulbesuch, Schulabschluss, Berufsausbildung) nicht ohne Unterstützung erfüllen können. Ebenfalls werden Kinder und Jugendliche, die nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik, einer intensiv psychologisch,- therapeutischen Betreuung einer Wohngruppe bedürfen, aufgenommen.

Die Jugendlichen können bis zur Rückführung in die Familie, zum Erreichen der Volljährigkeit, zum Ende ihrer Ausbildung, zur Entlassung in die Selbstständigkeit bleiben bzw., bis eine weiterführende Form der Betreuung, mit den am Hilfeprozess Beteiligten Personen gefunden wurde.

Aufgenommen werden Mädchen mit den unterschiedlichsten Diagnosen:

  • Missbrauch und Misshandlung
  • Verhaltensauffälligkeiten oder Aufmerksamkeitsstörung
  • Entwicklungsstörungen
  • Seelische Behinderung
  • Nachfolgemaßnahmen nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen – oder psychosomatischen Klinik
  • Gewalterfahrung

Nichtaufgenommen werden können Mädchen die schwer- und mehrfachbehindert, geistig Behindert und drogenabhängig sind.

3. Voraussetzungen

Voraussetzung für die Aufnahme in die Wohngruppe ist, dass die K/J über ein Mindestmaß an Beziehungsfähigkeit, Kooperationsvermögen und die Bereitschaft zur Mitarbeit verfügen und bereit sind, an ihrer Entwicklung zu arbeiten.

Bei der Entscheidung für die Aufnahme wird auch die jeweilige Gruppensituation beachtet.

4. Räumliche Bedingungen

Die Mädchenwohngruppe ist in einem zweigeschossigen Haus in einem Wohngebiet von Salz untergebracht, welches von der HTKJ angemietet wurde. Salz ist ein Luftkurort vor der Rhön, welcher etwa 2.300 Einwohner hat und in der Nähe von Bad Neustadt an der Saale (Bayern) liegt.

Im Erdgeschoss des Hauses befinden sich zwei Jugendzimmer, eine Küche/Esszimmer, ein Jugendwohnzimmer sowie ein Bad mit Badewanne, Dusche und einen WC. Das Obergeschoss besteht aus drei Jugendzimmern, der Küche, einen Wohn- und Esszimmer, einer Terrasse, einen Balkon und einen Erzieherzimmerzimmer. Des Weiteren befindet sich hier ein Bad mit Badewanne, Dusche und einen WC, sowie ein Kreativraum.

Das Dachgeschoss dient dem Innenbetreuten Wohnen und besteht aus zwei Jugendzimmern, einen Bad mit Dusche und WC sowie einer Küche mit Esszimmer. (siehe Konzept Innenbetreutes Wohnen). Die Wohngruppe verfügt über ein großen, eingezäunten Außenbereich (Garten). In Absprache mit den Pädagogen der Wohngruppe können Kleintiere gehalten werden. 

Ein problemloses Erreichen der verschiedenen Schultypen bzw. Fördereinrichtungen ist gegeben, zum einen durch den öffentlichen Nahverkehr, zum anderen durch Fahrdienste, die durch die Fördereinrichtungen beauftragt werden, sowie durch einrichtungsinterne Dienstfahrzeuge. Aufgrund eines nahegelegenen Radweges, ist es ebenfalls möglich, alle Einrichtungen in Bad Neustadt/Saale per Fahrrad zu erreichen.

5. Personelle Ausstattung

Für den Gruppendienst steht ein Team aus  einer Dipl.-Sozialpädagogin, drei Erzieherinnen und einer Heilerziehungspflegerin zur Verfügung. Eine systemische Therapeutin sowie eine Psychologin bieten Einzeltherapiestunden an und stehen dem Team beratend zur Seite. Weiter Therapiestunden finden außerhalb der Wohngruppe, in entsprechenden Praxen statt. 

Ebenso wird das Team durch eine Hauswirtschafterin ergänzt, welche alle anfallenden Hauswirtschaftlichen Tätigkeiten übernimmt und die Mädchen im Lebenspraktischen Bereich anleitet und unterstützt. 

6. Schulische Angebote

Wir stehen in enger Zusammenarbeit mit Schulen und Ausbildungsstätten. Haupt- und Realschulen, Gymnasium, Berufsvorbereitende Maßnahmen
BVJ, GbF, BBZ

7. Finanzielle Ausstattung

Im Sinne von Selbstverwaltung und Hinführung zur Lebenspraxis erhält das Team der Wohngruppe einen Etat für den Lebensunterhalt (Lebensmittel, Hygieneartikel, Büromaterial, Gruppengeld, Schulbedarf, Kleider- und Taschengeld, etc.), der monatlich abgerechnet wird.

8. Schwerpunkt des Gruppenalltags

Im Zentrum unserer pädagogischen Haltung steht die Erziehung zur Selbstverantwortung. Die Mädchen lernen, positive wie negative Konsequenzen ihrer Handlungen zu tragen. Die Übernahme von Selbstverantwortung beginnt nach der Aufnahme mit der Einrichtung des eigenen Zimmers. Die Jugendlichen haben das Recht auf einen eigenen Lebensraum und die Pflicht, diesen verantwortungsbewusst zu gestalten und zu erhalten. Es wird versucht, auf Wünsche, Ideen und Vorschläge der Jugendlichen einzugehen. Jugendliche wissen meist sehr genau, was sie wollen und benötigen dann häufig nur jemanden, der ihnen hilft, ihre Vorstellungen umzusetzen. So viel „Selbst“ wie möglich, sowenig wie möglich „von anderen machen lassen“ steht im Mittelpunkt unserer Arbeit.

Partizipation fördert das Selbstbewusstsein, das Verantwortungsgefühl und ermutigt zu selbstbestimmten Handeln. Im Gruppenalltag spiegelt sich das darin, dass die Mädchen mitreden, mitbestimmen und mitentscheiden können.

Einmal wöchentlich findet eine Jugendkonferenz statt. Die Jugendlichen können hier ihre Wünsche, Anliegen und Probleme zur Sprache bringen.

  

Die Mädchen wählen im regelmäßigen Turnus eine Gruppensprecherin, welche ein

  • Offenes Ohr für die Wünsche und Probleme hat
  • Vermittler zwischen Jugendlichen und Pädagogen sein kann
  • Die Interessen der Jugendlichen vertritt

(Siehe Konzept Gruppensprecher)

Tagesablauf

Die kleine Gruppengröße ermöglicht den Pädagogen intensiv mit den jungen Menschen in Kontakt zu treten und diese mit ihren Bedürfnissen, Wünschen, Ängsten und herausfordernden Lebenssituationen ernst zu nehmen und auf sie einzugehen.

Die Wohngruppe stellt mit ihrem geregelten Tagesablauf einen klaren, zuverlässigen und überschaubaren Orientierungsrahmen für die Jugendlichen und bietet sowohl für ihre innere als auch für ihre äußere Lebenssituation Halt, Stabilität und Sicherheit. Der Tagesablauf vermittelt den Jugendlichen ein Gefühl der Gemeinschaft, des Zusammenhaltes, der Zugehörigkeit und des „Angekommen seins“.

Durch die Gestaltung des Tagesablaufes werden die Jugendlichen gezielt bei der Bewältigung von Alltagssituationen wie z. B. Schulbesuch, Wäsche, Hygiene, Zimmerordnung, hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Arztbesuche oder Kontakt mit Behörden durch die Pädagogen angeleitet und unterstützt. Die Lernfelder finden immer unter Beteiligung und weitgehender Eigenverantwortlichkeit der Mädchen statt und gibt ihnen die Möglichkeit sich frei zu entfalten und ausprobieren zu können.

Die festen Ereignisse / Strukturen im Tagesablauf, wie das morgendliche Aufstehen, Schul- und Ausbildungsbesuche, gemeinsame Mahlzeiten, Freizeitbeschäftigung und das zu Bettgehen werden gezielt zur Förderung der Selbständigkeit und Selbstverantwortung der Jugendlichen genutzt.

Im Alltag werden die Jugendlichen in sämtlichen Arbeitsbereichen durch die Pädagogen intensiv begleitet und unterstützt. Ein wichtiger Bestandteil ist die tägliche Reflexionszeit mit den Jugendlichen.

Im Rahmen der Partizipation wird mit den Mädchen ein eigener Verstärkerplan erarbeitet, welcher eigene und pädagogische Ziele beinhaltet. Dieser wird in regelmäßigen Abständen überprüft und aktualisiert. Das Bezugserziehersystem ermöglicht den Jugendlichen, einmal im Monat intensive Zeit mit ihrer Bezugserzieherin, während einer selbst gewählten Aktivität, weg vom Alltag, zu verbringen. Über ein zusätzliches Verstärkersystem bekommen die Mädchen positive Rückmeldung, unabhängig von erbrachten Leistungen. Ebenso werden die Jugendlichen dahingehend unterstützt, Freizeitbeschäftigungen für sich zu finden, die ihren eigenen Interessen entsprechen. Diese sollen es ermöglichen sich frei entfalten zu können, sich auf ihre Stärken und Fähigkeiten zu verlassen und Spaß an einer Sache zu haben.

Neben den Vorgaben der Gruppe, ist es den Pädagogen sehr wichtig, den Jugendlichen ausreichend Raum für die Entwicklung ihrer Individualität zu lassen, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich ausprobieren und  aus ihren gemachten Erfahrungen, Positives und Negatives zu lernen und daran zu wachsen.

 

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