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sBE

SBE – Schulische und berufliche Eingliederung


Einleitung

Die Heilpädagogische therapeutische Kinder- und Jungendhilfe GmbH beschäftigt sich schon seit ihrer Gründung damit, verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche adäquat zu fördern, d. h. sowohl in ihrem Sozialverhalten als auch in ihrer schulischen Entwicklung.

Bereits in der Vergangenheit wurde ein Konzept für Kinder und Jugendliche, die auf Grund ihres enorm hohen Förderbedarfs nicht die Schule besuchen können, erarbeitet und umgesetzt. Ziel war es, den Weg in eine normale schulische bzw. berufliche Ausbildung zu ebnen. Die Erfolgsquote betrug dabei 50%.

Der Vorteil zu größeren Einrichtungen mit angegliederter Schule liegt auf der Hand: die Kinder und Jugendlichen erhalten bei uns zunächst individuellere Förderung, um dann direkt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Bei Einrichtungen mit integrierter Schule sind die Kinder und Jugendlichen an der Gesellschaft nur „angegliedert“. Zudem können wir nahezu jede Schulart anbieten.

Zielgruppe

Die schulische und berufliche Eingliederung richtet sich an alle uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren, mit erheblichen Schulschwierigkeiten und langer Schulabstinenz, in der Regel, durch einen vorangegangenen Psychiatrieaufenthalt verursacht. Die Kinder und Jugendlichen sind in ihrer aktuellen emotionalen Situation nicht für eine Schule tragbar oder die Agentur für Arbeit gewährt keine berufliche Bildungsmaßnahme (z. B. aufgrund psychischer Probleme oder Start einer geeigneten Maßnahme erst in einigen Monaten).

Unser aktuelles Angebot ist geeignet für Kinder und Jugendliche:

  • die auf Grund psychosozialer Entwicklungsstörungen nicht, oder nur bedingt gruppenfähig sind
  • mit ausgeprägter Verweigerungshaltung, ausgelöst durch anhaltende schulische Misserfolgserlebnisse mit beendeten, aber noch nicht verarbeiteten Drogenkontakten
  • mit aggresiven Verhalten und/oder Entweichungstendenzen
  • mit erheblicher emotionaler Instabilität oder verminderter Konzentrationsfähigkeit als Folge medikamentöser Einstellung (im Anschluss an einen längeren Psychatrieaufenthalt)

Zielsetzung

  • Vorrangiges Ziel ist die Eingliederung der Kinder und Jugendlichen in eine öffentliche Regel- bzw. Förderschule, oder in eine berufliche Bildungsmaßnahme (gefördert durch die Agentur für Arbeit). Die Förderung des Einzelnen zielt darauf ab, durch individuell angepasstes Lernen Erfolge zu ermöglichen und damit die Lernmotivation zu verbessern. Dies erfordert die Erfassung der bereits erworbenen schulischen Kenntnisse des Jugendlichen, seiner praktischen Fähigkeiten und kreativen Neigungen im Rahmen einer Test- bzw. orientierungsphase. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen Begleiter und Schüler. Kinder und Jugendliche mit frustrierenden Schulerfahrungen können nur auf der Beziehungsebene ihre Orientierung korrigieren.

     

    • individuelle Förderung von Konzentration und Ausdauer
      Beziehungsaufbau und Vertrauensbildung als Voraussetzung für positive Verhaltensänderung
    • Erlebnis der Gruppenzugehörigkeit, Kommunikationsschulung und Förderung von kooperativen Verhaltensmustern
    • Aufbau einer realistischen Selbsteinschätzung zu eigenen Fähigkeiten und Grenzen;
    • Aufzeigen von Möglichkeiten ihrer Erweiterung
    • Entwicklung kreativer Ressourcen
    • Förderung von konstruktiven Verhaltensmustern (Akzeptanz gegenüber anderen Meinungen)
    • Entwicklung von Arbeitsprozessen im Team, allgemeine Lernbereitschaft,
    • Übernahme von Eigenverantwortung und Verantwortung anderen gegenüber
    • Erlernen von hauswirtschaftlichen Grundkenntnissen und handwerklichen Fähigkeiten
    • Reflexionsvermögen, Fähigkeit zur Selbstkritik

Räumliche Bedingungen

Die schulische und berufliche Eingliederung der HTKJ ist angesiedelt in Windshausen. Für die Schulbetreuung stehen zwei Räume zur Verfügung. Für die Projekte ist eine Werkstatt und eine Malerwerkstatt (300 m) vorhanden. Kinder und Jugendliche der HTKJ werden von der Wohngruppe zur schulischen und beruflichen Eingliederung gebracht. Das Hauswirtschaftsprojekt wird in der jeweiligen Gruppe ausgeführt.

 

Personelle Bedingungen

Das Mitarbeiterteam wird individuell nach den Bedürfnissen des Klientel zusammengestellt: Es stehen Jugend- und Heimerzieher/innen, eine Hauswirtschafterin, eine Kunstpädagogin und ein Handwerker zur Verfügung.

 

Konzeptverlauf (“Eine neue Phase hat begonnen“)

Die Maßnahme „Schulische und berufliche Eingliederung“ wird für die einzelnen Kinder und Jugendlichen solange andauern, wie sie benötigt wird. Dies können Wochen oder Monate sein.

 

Aufnahmeverfahren (1. Woche)

Der/die Jugendliche lernt in der ersten Woche das Team, evtl. weitere Teilnehmer und die Praxisräume kennen. Es wird eine Situationsbestimmung vorgenommen unter Einbeziehung seiner Selbsteinschätzung. Zum Ende der ersten Woche findet ein Auswärtungsgespräch statt, ggf. wird der/die Therapeut/in hinzugezogen. Eine geeignete Schule stellt in der Zeit des SBE Besuchs die notwendigen Lernmaterialien zur Verfügung.

MO – DO

08:30 bis 09:00 Uhr: gemeinsamer Beginn des Tages

09:00 bis 12:00 Uhr: Unterricht bzw. Arbeitsprojekt

12:00 bis 12:30 Uhr: gemeinsamer Abschluss des Tages

FR

08:30 bis 09:00 Uhr: gemeinsamer Beginn des Tages

09:00 bis 12:00 Uhr: Freizeitprojekt

12:00 bis 12:30 Uhr: gemeinsamer Abschluss des Tages

Phase A (2. – 6. Woche)

Besonderes Augenmerk wird in dieser Zeit der Beobachtung der/des Jugendlichen gewidmet. Die Kinder und Jugendlichen besuchen in der schulischen und beruflichen Eingliederung der HTKJ Unterricht, sowie ein Arbeits- und ein Freizeitprojekt. Das Verhalten und die Handlungen der Kinder und Jugendlichen werden anhand von standardisierten Beobachtungsbögen festgehalten und von der Fachkraft ausgewertet. Dabei wird festgestellt in welchem Entwicklungszustand sich das Kind bzw. der Jugendliche befindet.

Phase B (zeitlicher Rahmen individuell)

In dieser Phase werden die individuellen Gegebenheiten des Kindes/Jugendlichen gefördert. Hervorzuheben ist dabei, dass es kein festgelegtes Raster gibt, in dass das Kind bzw. der Jugendliche „passt“, sondern ganz im Sinne der Lebenswelt bzw. situativen Ansatzes das Kind/der Jugendliche dort „abgeholt wird, wo er steht“ und auch Lernfortschritte in seinem Tempo geschehen.

Inhaltlicher Auftrag des Arbeitsprojektes ist es, dass die Teilnehmer ihre eigenen Fertigkeiten erleben und Schlüsselqualifikationen der Arbeitswelt wie Ausdauer, Konzentration, Pünktlichkeit und das zügige Verfolgen von Anweisungen trainieren. Zudem wird die geleistete Arbeit der Teilnehmer – vielleicht zum ersten Mal in deren Leben – wertgeschätzt.

Inhaltlicher Auftrag des Unterrichtes ist es Wissenslücken aufzufüllen, so dass die Teilnahme am regulären Unterricht wieder gewährleistet werden kann.

Inhaltlicher Auftrag des Freizeitprojektes ist es, dass die Teilnehmer ihre Fertigkeiten erleben, Selbstvertrauen und ein positives Selbstbild aufbauen, sowie Alternativen der Freizeitgestaltung kennen lernen.

Gemeinsame Aufgabe jedes Bereiches der schulischen und beruflichen Eingliederung ist es angemessene Kommunikationsmöglichkeiten der Teilnehmer einzuüben.

Phase C (zeitlicher Rahmen individuell)

Die letzte Phase dient der Ablösung von der SBE-Maßnahme. Kontakte zu der zuständigen Schule bzw. den passenden Lehrgang werden unter Einbeziehung der Agentur für Arbeit geknüpft. In Kooperationsvereinbarungen zwischen der Wohngruppe und der Schule bzw. des Lehrgangträgers ist festgelegt, in welchen Schritten und zeitlichen Rahmen eine Einbindung der Kinder und Jugendlichen stattfindet.

Stück für Stück werden die Teilnehmer der schulischen und beruflichen Eingliederung dem Alltag der Schule bzw. beruflichen Bildungsmaßnahme angenähert, indem sie zunächst stundenweise am Unterricht teilnehmen. Ein Mitarbeiter der HTKJ, zu dem die Kinder und Jugendlichen eine positive, emotionale Bindung aufgebaut haben, begleitet sie. Wenn in Schule oder Bildungsmaßnahme entspannte Atmosphäre und ebenso positive emotionale Bindungen geschaffen sind, zieht sich der Begleiter zurück. Der zeitliche Umfang wird, je nach individueller Belastbarkeit, ausgedehnt.

Unterrichts- und Projektbeschreibung

Arbeitsprojekt Werkstatt

 

Die „Werkstatt“ vermittelt den Teilnehmern einfache handwerkliche Grundkenntnisse für lebenspraktische Problemstellungen. Dazu zählen Reparaturen und Instandhaltugsmaßnahmen am Inventar und Außengelände der Wohngemeinschaft (z. B. Möbelreparaturen, Renovierungsarbeiten, Fahrradinstandsetzung, usw.). Bedarfsgegenstände innerhalb der Einrichtung können nach Auftrag angefertigt werden. Für saisonale Anlässe können dekorative Gegenstände in einer kleinen Serie hergestellt und auf regionalen Märkten (Weihnachtsmärkte, Künstler- und Hobbymarkt) zum Verkauf angeboten werden. Daneben bilden kleinere Holzarbeiten, die Vermittlung von Grundwissen zu Farben und Lacken, Maler- und Tapezierarbeiten die Hauptaufgaben.

Arbeitsprojekt Hauswirtschaft

Neben der Organisation des Haushaltes, wie z. B. das erstellen des Speiseplanes und eines Zeitplanes, gehören Kochen und Backen zu den Schwerpunkten des Arbeitsprojektes. Die zubereiteten Speisen werden am Mittag in der Wohngruppe verzehrt. Auch eine angemessene Wäschepflege wird vermittelt.

Arbeitsprojekt Gartenbau

Ein brachliegendes Grundstück wird eingefriedet, Beete angelegt, Kräuter und Gemüse ausgesät. Zudem werden Techniken der Lagerung vermittelt. Regelmäßige Arbeiten wie Unkraut jäten und jahreszeitliche Gestaltung des Eingangsbereiches mit floralen Mitteln gehören ebenso zu den Aufgaben der Teilnehmer.

Unterricht

  • angemessene Lerntechniken
  • erarbeiten Wissensvermittlung in Kernfächern
  • regelmäßige Tests
  • Kontaktpflege zur regulären Schule

Freizeitprojekte

  • Sport: wechselnde Angebote im Zyklus: Fußball, Wintersport, Kraftsport, Joggen, Fahrradfahren sowie Gruppengymnastik
  • Musik: ein Instrument erlernen, Band gründen, Songs auf PC aufnehmen
  • Zeitung: eine Redaktion gründen und in bestimmten Abständen eine Zeitung über die Einrichtung herausgeben
  • Theater: einfache Theaterstücke und Sketche einüben, für besondere Anlässe im Jahr

Qualitätssicherung

Nach der Beobachtungsphase werden die standardisierten Bögen ausgewertet und während der gesamten Maßnahme als Vergleichsgrundlage herangezogen. Das Kind / der Jugendliche überprüft wöchentlich die Lernfortschritte mit dem Ergotherapeuten. Eine Rücksprache zwischen Lehrer bzw. Anleiter, Ergotherapeut und Bezugserzieher ist bei Beendigung einer jeden Phase und bei besonderen Anlässen gegeben.

Nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf. 
sie erreichen uns unter: 
09 77 1 - 635 84 84